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Star Flyer: Kreuzen vor der Küste Kubas

Wer mit dem Segelschiff Star Flyer acht Tage durch die Karibik fährt, erlebt das Kontrastprogramm zu den Reisen mit Ozeanriesen. Zumindest überwiegend.

Mit der Star Flyer entspannt durch die Karibik. Foto: Oliver Heider

Tag eins: Anreise nach Cienfuegos

Verspannt. Erschöpft. Müde. Das tritt unsere Verfassung wohl am besten. Es ist 22.05 Uhr und das Vier-Mast-Segelschiff Star Flyer verlässt den Hafen von Cienfuegos in Kuba. Ein Cuba Libra in der Hand, das Meer im Blick. Da scheinen die 26-stündigen Strapazen fast vergessen zu sein.

Morgens um 3 Uhr deutscher Zeit hatte die anstrengende Anreise begonnen. Mit dem Auto zum Flughafen in Stuttgart, mit der Maschine um 6 Uhr nach Amsterdam.

Nach dreieinhalb Stunden Aufenthalt auf dem Schipol-Airport macht sich unsere zehnköpfige Gruppe auf die zehnstündige Reise nach Havanna. Doch wer meint, das Ziel sei dort schon nah, der irrt.

Am Flughafen müssen alle Touristen die Einreiseprozedur überstehen. An diesem Tag dauert sie knapp zwei Stunden. „Waren Sie in den vergangenen Wochen in Afrika? Nein. „Hatten Sie Kontakt zu jemandem, der in Afrika war?“ Nein. „Fühlen Sie sich krank?“ Auch nicht. Im Schneckentempo die Visa-Stempel checken. Dann ist die Abfertigung á la socialismo endlich vorbei.

Doch die Strapazen gehen weiter: Gut drei Stunden lang fahren wir in einem Minibus über die Autobahn. Wer auf der Strecke zu Salsa-Klängen aus dem Radio die Augen schließt, verpasst dennoch etwas: antiquierte Autos und Lkw, die aus den 50er Jahren stammen; Fußgänger, die auf der rechten Spur der Autobahn eine Mitfahrgelegenheit suchen; ein Bauer, der seine Kühe über die Strecke führt und den Verkehr zum Anhalten zwingt. Kuba!

Doch der Lohn für die anstrengende Anreise ist zweifellos das Segelsetzen am Abend. Majestätisch gleitet die Star Flyer hinaus aufs Meer.

Das 1991 gebaute Vier-Mast-Segel-Kreuzfahrtschiff fährt unter maltesischer Flagge. Es ist 115,5 Meter lang, 15 Meter breit und hat einen Tiefgang von 5,6 Meter. Die Segelfläche beträgt 3365 Quadratmeter, die Masthöhe 63 Meter.

Sieben Tage liegen mit der „weißen Lady“ liegen vor uns, die sich stark von Urlaub auf einem der riesigen Kreuzfahrtschiffe unterscheiden.

Tag zwei: Auf See erholen

Es ist bewölkt. Und nicht so warm, wie man das von der Karibik erwartet. Die Star Flyer kreuzt vor der kubanischen Küste – und die Passagiere versammeln sich an Deck.

Genauer auf ihren jeweiligen Muster-Stationen, den Treffpunkten für etwaige Notfälle also. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung am Abend zuvor steht die international vorgeschriebene Seenotrettungsübung an.

Kreuzfahrtdirektorin Steffi Adels erklärt den Gästen – einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch – zudem, was sie an Bord erwartet. Unter anderem ein Besuch von kubanischen Amtsärzten. Diese messen – wegen der Ebola-Krise in Afrika – die Temperatur der Passagiere.

„Frontal, nicht rektal“, sagt Adels augenzwinkernd. „So oft wie hier wurde Ihnen noch nie Fieber gemessen.“ Am Anfang mute das kurios an, man gewöhne sich aber daran.

Daran gewöhnt hat sich auch Kapitän Yurij Slastenin. „Willkommen in unserer Familie“, sagt er. Familiär mutet das Ambiente tatsächlich an. Nur 70 Passagiere sind an Bord, Platz wäre eigentlich für 170. Die Gäste werden betreut von 74 Crewmitgliedern aus 14 Nationen.

Auf der Star Flyer, so sagt der Kapitän, sei die Brücke außer bei Manövern, beim An- und Ablegen für jedermann zugänglich. Die Gäste könnten jederzeit mit ihm und den nautischen Offizieren sprechen. Nur ein Thema will er ausklammern: Politik. „Sie haben ja Urlaub hier.“

Ein besonderes Erlebnis für schwindelfreie Urlauber ist das Mastklettern. Es wird für gewöhnlich zwei Mal pro Woche angeboten – wenn es das Wetter zulässt. Es ist inzwischen 15 Uhr, die Sonne hat sich durch die Wolken gekämpft. Und ein Dutzend Gäste kämpfen sich nach oben.

An drei Punkten fixiert, beide Hände am Seil, Schritt für Schritt. Die Knie zittern. Doch der Ausblick in 18 Metern Höhe ist grandios. Fünf Menschen dürfen zeitgleich auf der Plattform sein. Nach ein paar Minuten Über-den-Dingen-Stehen geht es wieder nach unten.

Während die Star Flyer weiter vor Kuba kreuzt, probiert unsere Gruppe ein Alleinstellungsmerkmal von Segelschiffen aus. Wir legen uns ins Netz am Bugspriet, an einer über den Bug hinausragenden Segelstange.

Maximal fünf Leute sind pro Seite erlaubt – und nur, wenn sie der Crew Bescheid gegeben haben. Ein Gefühl der Freiheit, wenn die Wellen wenige Meter unter uns gegen den Schiffsrumpf schlagen und das Meer rauscht. Schade, dass das Spektakel mit dem Sonnenuntergang sein Ende findet.

Tag drei: Playa Ancón und Trinidad

Der Jetlag schlägt zu. Mit voller Wucht. Um 4 Uhr ist die Nacht für mich zu Ende. Von rechts nach links wälzen, und wieder zurück. Um 6 Uhr reicht’s. Duschen, um wach zu werden.

In dem beengten Bad ist die Dusche am Boden nicht abgetrennt, es gibt nur einen Vorhang. Die Folge: Das Wasser bahnt sich bei Seegang seinen Weg quer durchs ganze Bad.

Und: Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte Obacht geben. Der Boden ist zwar leicht aufgeraut, aber rutschig. Der Rest von Kabine 336 ist zweckmäßig eingerichtet.

Neben einem Doppelbett gibt es einen Nachttisch, eine Ablage, einen Sessel, einen Fernseher sowie ausreichend Stauraum in den drei Schrankabteilen. In einem davon steht ein Safe zur Verfügung.

Verteilt auf vier Decks – Sonnendeck, Hauptdeck, Clippers Deck, Commodore Deck – gibt es auf der Star Flyer sieben verschiedene Kabinen-Kategorien. Die teuerste ist die Eignersuite mit 21 Quadratmetern und Whirlpool.

Zudem gibt es 8 Suiten, 78 Außen- und 6 Innenkabinen, die zwischen 9 bis 14 Quadratmeter groß sind. Bis auf die Innenkabinen haben alle ein Marmorbad.

Ab 6.30 Uhr gibt es Frühaufsteherfrühstück

Am Heck des Schiffes haben sich schon ein paar Frühsteher versammelt. Yoga mit Trainerin Christel ist angesagt. Um 7.15 Uhr dann nähert sich der Star Flyer ein Boot. Mit drei Weißkittel.

Sie kommen an Bord, marschieren stramm in die Schiffsbibliothek, die nun vorübergehend als Untersuchungsraum dient. Nur wenig später bildet sich eine Schlange.

Zuerst messen die Ärzte bei Crewmitgliedern Fieber, anschließend bei Passagieren. Einer nach dem anderen steht vor den Medizinern, die mittels Infrarot-Gerät an der Stirn die Temperatur messen.

Eine Pflichtveranstaltung, ansonsten geben die Behörden das Schiff nicht frei. Im Zweifelsfalls wären weitere Untersuchungen nötig. Doch dazu kommt es nicht.

Also steht einem ausgiebigen Frühstück im „Clipper Dining Room“, dem Speisesaal, nichts mehr im Weg. Wer schon zuvor Hunger hat, bekommt ab 6.30 Uhr in der Piano Bar ein (süßes) Frühsaufsteherfrühstück.

Wenn man nach dem Mitternachtssnack überhaupt wieder Hunger hat. Auf der Star Flyer herrscht bei allen Mahlzeiten freie Tischwahl. Frühstück ist von 8 bis 10 Uhr, Abendessen von 19.30 bis 21 Uhr.

Das Tenderboot bringt uns an Land. Am Playa Ancón betreten wir wieder kubanischen Boden. Rasch in einem Hotel Euro in CUC, in die Touristenwährung (Peso Convertible), tauschen.

Wer keinen Ausflug über die Reederei (drei Stunden für 36 Euro) bucht, kann vom Hotel per Shuttlebus (umgerechnet zwei Euro) nach Trinidad fahren – in eine 75 000 Einwohner zählende Stadt an der zentralen Südküste. Auch Taxen stehen bereit.

Auf einem Markt gibt es allerlei Krimskrams. Überall präsent ist das Antlitz des Revolutionsführers Ernesto „Che“ Guevara. Auf T-Shirts, Tassen, Gemälden. Ebenso wie Havana-Club-Devotionalien. Unser Weg führt uns durch die teils bröckelnden, teils reparierten Gassen.

In das „Casa de la Trova“ kehren wir ein. Morgens, um 11 Uhr, schon einen Mojito trinken? Ja, in Kuba gehört das dazu. Zu rhythmischen Klängen von neun älteren Kubanern tanzt ein Paar. Mit heißen Hüftschwüngen. So lässt es sich aushalten, in dem von viel Grün gesäumten, schattigen Hinterhof.

Doch wer Mojitos trinkt, sollte zwischendurch mal etwas essen. Unser Weg führt uns in ein Restaurant. Gäste gibt es keine, wohl aber eine Speisekarte, auf der viele Gerichte stehen.

Durch die Gassen jenseits der touristischen Attraktionen.

Hähnchen? Ist leider ausverkauft, sagt die Wirtin. Schweinefleisch? Leider auch. Fisch hätte sie da. Hhmm, dann vielleicht doch lieber nur ein kühles Getränk. Die einen bestellen Bier, die anderen Cola.

Es vergeht eine Viertelstunde. Nichts passiert. Dann kommt plötzlich ein Junge mit einem Rucksack in das Restaurant und verschwindet in der Küche.

Eine Minute später werden die Getränke serviert. Interessant! Als wir zahlen wollen, sagt die Wirtin gänzlich unvermittelt, sie habe nun doch Hähnchen. Etwas zu spät.

Wir ziehen weiter. Durch die Gassen jenseits der touristischen Attraktionen. Armut ist dort allgegenwärtig, die Freundlichkeit der Menschen auch. Unwohl oder gar unsicher braucht sich hier niemand zu fühlen. Die Kriminalität ist in Kuba verhältnismäßig gering.

Ein Taxi bringt uns schließlich für zehn Euro wieder von Trinidad zum „Playa Ancón“. Um 17 Uhr startet das letzte Tenderboot Richtung Schiff.

Dort laufen die Vorbereitungen fürs Segelsetzen. Dabei können die Passagiere an diesem Abend an einem Seil mitanpacken, während die Sonne langsam im Meer vor Kuba versinkt.

Tag vier: Cayman Brac

Der Schlafrhythmus normalisiert sich. Morgens um 7 Uhr sind durch das Bullauge Wolken zu sehen. Das Schiff näher sich Cayman Brac. Wie Little Cayman und Grand Cayman gehört sie zu den Kaimaninseln.

Die Insel mit ihren knapp 3000 Einwohnern ist etwa 19 Kilometer lang und durchschnittlich 2 Kilometer breit. Entdeckt hat sie Christoph Kolumbus.

Ein touristisches Highlight ist Cayman Brac allerdings nicht. Und das liegt nicht nur an den aufziehenden schwarzen Wolken. Der Strand mutet für karibische Verhältnisse eher mau an.

Badefans sollten sich vor Muscheln und scharfkantigen Korallen in Acht nehmen. Glasscherben liegen im Sand. Vom seichten Wasser mit Steinen, die schnorcheln fast unmöglich machen, ganz abgesehen.

Wer einen kleinen Spaziergang ins Landesinnere unternimmt, bekommt eine eher spröde Landschaft zu Gesicht. Ursprünglich, aber nicht mitreißend. Auf einem Hinweisschild versprechen die Insulaner viele Vögel. Einen entdecken wir auf einem Ast. Das war’s.

Nicht die schlechtestes Idee ist da die Rückfahrt mit dem Tenderboot zur Mittagszeit. Auf der Star Flyer hat die Crew aufgetischt.

Ein geschmackvoll-bunt dekoriertes Lunch-Büffet, vor der Tropical Bar. Dort werden von 17 bis 18 Uhr auch Häppchen gereicht.

Getränke sind auf der Star Flyer nicht im Reisepreis inbegriffen. Neben der Tropical Bar gibt es jedoch einen Wasserspender und Plastikbecher.

Kaffee und Tee können sich Passagiere jederzeit machen – neben der Piano Bar im Inneren. Softdrinks, serviert in 0,33-Liter-Dosen, kosten an Bord 2 Euro, die meisten Biere um die 3 Euro, Cocktails und Longdrinks ab 5 Euro.

Wer im Urlaub unter karibischer Sonne im Internet surfen will, kann im kleinen Bordshop – dieser hat hauptsächlich Merchandising-Produkte wie Kleidung im Angebot – „Guthabenkarten“ kaufen. Eine Stunde für 6 Euro, vier Stunden für 18 Euro.

Auf einem Papier steht ein Code, mit dem man sich über eine Seite im Browser einwählen kann. Dies ist mit eigenen Geräten über WLAN oder mit dem PC in der Bibliothek möglich. Wenn er denn funktioniert. Die Qualität der Satelliten-Verbindung variiert, ist aber meistens gut.

Tag fünf: Georgetown, Grand Cayman

Früh aufstehen lohnt sich. Wie auf der ganzen Reise gibt es an diesem Tag kurz nach Sonnenaufgang einiges an Deck zu sehen. Die Star Flyer nimmt Kurs auf Georgetown, die rund 28 000 Einwohner zählende Hauptstadt der Cayman Islands.

Während das Vier-Mast-Segelschiff am Kai anlegt, bringen sich drei Ozeanriesen in Stellung. Neben Norwegian Epic ankern vor Grand Cayman Carnival Magic und Grandeur of the Seas. Insgesamt rund 10 000 Kreuzfahrer werden mit Tenderbooten an Land gebracht.

Die 70 Gäste der Star Flyer dagegen gehen gemütlich zu Fuß an Land. Ihnen bietet die Reederei auf Grand Cayman mehrere Ausflüge an. Wer möchte, kann mit dem Unterseeboot Atlantis 40 Minuten auf Tauchgang gehen. Kostenpunkt: stolze 77 Euro inklusive Transfer zum Boot.

49 Euro kostet ein dreistündiger Katamaran-Ausflug zur Sandbank Stingray City an der Nordküste, wo die Urlauber mit Stachelrochen schwimmen können. Oder per Rad über die Insel und zum Tiki Beach (vier Stunden, 49 Euro).

Per Bus geht es vorbei am Haus des Governors – die Caymans sind ein Überseegebiet des Vereinigten Königsreichs Großbritanniens -, Prachtbauten und Shoppingmalls in den West Bay Distrikt.

„Wish you were here“ – in Hell.

Unsere Radtour – Achtung: Linksverkehr! – führt über Pfade, wenig befahrene Landstraßen, entlang der von Palmen gesäumten Kobaltküste und bunten Häuschen zur „Turtle Farm“.

Einer durch und durch kommerzialisierten Aufzuchtstation von Schildkröten, in der Besucher neben einer künstlich angelegten Seenlandschaft auch Spielplätze, Bars und Restaurants finden.

Die älteste Schildkröte, so verrät uns ein Mitarbeiter, ist 75 Jahre alt. Die majestetischen Tiere – zumindest die großen – schwimmen in einem künstlich angelegten See.

Die kleineren werden in Betonbecken aufgezogen. Wer sich die Hände desinfiziert hat, darf sie in die Hand nehmen. Wie die Tiere sich wohl fühlen, wenn sie durch hunderte Hände wandern?

Die Hölle ist es für die Tiere vielleicht nicht gerade. Doch unser Weg führt uns nun in selbige. „Hell“ – so heißt ein kleines Dörfchen, das aus nur wenigen Häusern besteht. Wer möchte, kann aus dem „Post Office“ Karten in die Heimat schicken.

Auf den Karten steht etwa: „Wish you were here“ (ich wünschte, du wärst hier) oder „I was in hell and survived“. Glücklich also, wer in der Hölle war und überlebt hat.

Seinen Namen hat das Fleckchen wegen schwarzer, bizarrer Felsformationen. Tausende kleine, spitze Kalksteine ragen gen Himmel. Nach einer Verkostung in einer Rumkuchenfabrik endet die Radtour mit etwas Gegenwind.

Am Seven Mile Beach dagegen ist nahezu windstill. Massensweise spucken die Busse am Strandabschnitt „Tiki Beach“ Touristen aus.

Einigen aus unserer Gruppe ist das zu viel. Sie machen kehrt und fahren mit dem Taxi zurück ins Zentrum von Georgetown.

Der andere Teil bleibt. Wer sich aber ein paar hundert Meter vom Mainstream-Sonnenbaden mit Bananaboot- und Schnorchelangeboten entfernt, findet Abschnitte, an denen sich nur eine Handvoll Sonnenhungrige tummeln.

Um 15 Uhr heißt es wieder: alle Mann an Bord. Kurz vorbereiten – und dann erwartet uns der Kapitän zum Gespräch. Der 50-Jährige, der zwei erwachsene Kinder hat, ist schon seit 1981 Seemann. Seit zehn Jahren arbeitet er für die monegassische Reederei Star Clippers.

Auch deren Royal Clipper, das größte Segel-Kreuzfahrtschiff der Welt, hat er schon gesegelt. „Kein großer Unterschied zu den kleineren Schiffen“, sagt er und ergänzt: „Segeln ist segeln.“

Kapitän Yurij Slastenin: „Anders als im Mittelmeer gibt es hier keine Ersatzhäfen in der Nähe.“

Davon erleben die Passagiere sehr viel auf dieser Reise. Bisher sei die Star Flyer 90 Prozent der Zeit auf See gesegelt. Doch das werde sich ändern. „Der Wind kommt aus Norden“, sagt Yurij Slastenin. Und der nächste Stopp ist im Norden.

„Wir müssen mit Maschine fahren.“ Bis zu neun Knoten, mehr als 16 Kilometer pro Stunde, könne das Schiff so zurücklegen. „8,2 Knoten sind nötig, um Cayo Largo morgen früh pünktlich zu erreichen.“

In den vergangenen Monaten habe das Schiff zwei Mal nicht am anvisierten Ankerplatz festmachen können – wegen zu starkem Wind. In Kuba müsse die Star Flyer dann auf See bleiben. „Anders als im Mittelmeer gibt es hier keine Ersatzhäfen in der Nähe.“

Auch die Genehmigungen durch die kubanischen Behörden seien recht schwierig. Mehr möchte er dazu nicht sagen. „Politik!“ Nur so viel: Trotz aller Widrigkeiten plane Star Clippers eine neue Route in diesen Gewässern. Wie sich später herausstellen wird, starten Touren künftig in der Hauptstadt Havanna.

Dass die Gewässer sehr unruhig sein können, erleben die Passagiere an diesem Abend auf hoher See. Folge: Das Restaurant ist nur zu Hälfte gefüllt, das Leben an Bord alles andere als quirrlig.

Tag sechs: Cayo Largo

Mit etwas Verspätung erreicht die Star Flyer ihren Ankerplatz, in der Nähe der kubanischen Inseln Cayo Largo del Sur und Cayo Rico. Erstere ist an diesem Tag das Ziel. Nach dem erneuten amtlichen Fiebermessen bringen Tenderboote die Passagiere an Land.

Gut 30 Minuten dauert die unruhige Überfahrt. Cayo Largo ist drei Kilometer breit und wartet mit 28 Kilometern an weißen Sandstränden und einigen bei Italienern beliebten Hotelanlagen auf. Massen an Touristen gibt es hier aber nicht.

Vor einer Anlage empfangen zwei Delfine in einem großen Meereswasserbecken – mit tierischen Kunststücken – die Besucher.

Wer durch die Anlage geht, kommt rasch zu einem traumhaft-weißen Strand. Das türkisfarbene Lichtspiel des Wassers zieht alle Gäste in den Bann. Ein Strandspaziergang und eine Runde Plantschen im warmen Nass sind Pflicht.

Nach eineinhalb Stunden geht es per Boot zum Schnorcheln. Der zweistündige Ausflug kostet 25 Euro; Flossen, Brille, Schnorchel stellt die Reederei den Passagieren für die gesamte Reise.

Cayo Largo, die zweitgrößte Insel des Canarreos-Archipels, ist ein Meeresschutzgebiet und beherbergt zahlreiche Tierarten, heißt es auf einem Werbeprospekt.

Wer tatsächlich abtaucht, bekommt nur wenig Fische zu Gesicht. Wenigstens lässt sich eine Moräne kurz blicken. Die Korallenwelt scheint noch intakt zu sein, allerdings gibt es farbenprächtigere Reviere.

Nach der 20-müntigen Rückfahrt ist noch etwas Zeit, bis das Tenderboot zur Star Flyer ablegt. Unser Grüppchen bestellt drei Bier, eine Cola, einen Weißwein: zusammen 9 CUC, also rund 9 Euro. Günstig. Die letzten Sonnenstrahlen genießen, beim Beach-Volleyball zuschauen und einfach entspannen.

Am Abend erwartet uns im Speisesaal das Captain’s Dinner. Viele Gäste sind schick gekleidet, von Smoking und Abendkleid aber keine Spur.

An Bord geht es eher leger zu – tagsüber wie abends. Auch an diesem Abend können die Passagiere aus Menükarten wählen und selbst entscheiden, wie viele Gänge ihr Magen verdauen kann.

Verdauen müssen die Gäste in jedem Fall die „Talentshow“, die es um 22 Uhr zu sehen gibt. Musik, Tanz, Zauberei – dargeboten von Crewmitgliedern. Während einige mit guten Stimmen aufwarten, ist die Zaubershow von den drei Mitgliedern des Sportteams arg bemüht.

Kein Vergleich zum Entertainprogramm großer Schiffe. Doch die Gäste, die auf der Star Flyer Urlaub machen, scheinen darauf keinen großen Wert zu legen, sie spenden Applaus. Das gilt auch für andere Abendveranstaltungen, wie etwa eine Modeschau.

Tag sieben: Cayo Rico

Über Nacht hat die Star Flyer ihre Position gehalten. Bei Temperaturen um die 25 Grad geht es morgens auf die kleine, unbewohnte Insel Cayo Rico. Abgesehen von einigen Katamaran-Reisenden gehört sie den Star-Flyer-Gästen ganz allein.

Erneut dauert die Tenderfahrt rund 30 Minuten. Doch das Wasser vor Cayo Rico ist seicht. Folge: Wir müssen für die letzten 200 Meter umsteigen auf lokale Boote mit geringem Tiefgang.

Auf der Insel angekommen, steigen Rauchwolken aus einem Pavillon auf. Dort brutzeln die Crewmitglieder schon fleißig: Barbecue für die Gäste des Schiffes. Direkt am Strand.

Von 12 bis 14 Uhr gibt es Hackfleisch, Steaks, Brot, Salate. Auch Süßspeisen. Den Grill und das Equipment hatte die Mannschaft mit von Bord an Land gebracht.

Wer nach dem üppigen Mahl einen Spaziergang macht, wird belohnt. Ist im Wasser vor dem Pavillon viel Seegras zu sehen, nimmt dieses ab, je weiter man sich Richtung Osten begibt. Der weiße Sand wird von Meter zu Meter feiner, das Wasser schimmert intensiv türkisfarben.

Auf dem entspannten, einstündigen Fußmarsch begegnen einem Seesterne, Korallen, Langusten, sogar Rochen. Was es auf der Insel fast nicht gibt: Menschen. Nur eine einsame, wohl angespülte Hälfte eines Liegestuhl trübt das idyllische Bild ein wenig.

Wer ein paar Schritte ins Innere der Insel geht, sollte am besten Strandschuhe anhaben. Kleine Disteln liegen am Boden. Und piksen heftig, wenn man darauf tritt.

Doch auch dieser Weg lohnt sich: In einem Binnengewässer finden sich Hunderte von Muscheln, die teils 20 bis 30 Zentimeter groß sind. Der Rückweg zum Pavillon ist dann ein Sonnenlauf.

Für den Abend hat sich Kreuzfahrtdirektorin Steffi etwas Nettes einfallen lassen. Die Gäste können ihr Fotos auf einem USB-Stick geben.

Die Bilder werden um 22 Uhr auf eine Leiwand projiziert. So mancher Schnappschuss erheitert die Gäste und lässt den Urlaub Revue passieren.

Tag acht: Von Cienfuegos nach Havana

6.30 Uhr. Das Schiff ist kurz vor Cienfuegos. 77 Prozent der Zeit, sagt der Kapitän, sei die Star Flyer gesegelt. Und wieder kommen Ärzte an Bord. Die Koffer stehen indes schon vor der Tropical Bar.

Sie werden ins Hafenterminal gebracht, die Passagiere folgen um 8.30 Uhr. Für einige von ihnen endet die Reise hier, andere schauen sich noch Havanna an.

Vier Stunden dauert die Busfahrt in die kubanische Hauptstadt: vorbei an sozialistischen Plattenbauten, palmengesäumten Feldern mit abgemagerten Kühen, im Hintergrund Berge. Mit jedem Kilometer, mit dem wir uns Havanna nähern, steigt die Zahl der Oldtimer.

In der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt reihen sich bunte Prachtbauten an heruntergekommen Barracken. In Geschäften, Bars, Restaurant bietet sich den Touristen eine sozialistische Lebensweise gepaart mit karibischer Gelassenheit.

Das ist es, was den Charme Kubas ausmacht. Allerdings nicht für jedermann. Denn wer deutschen Service und Pünktlichkeit erwartet, wird sein kubanisches Wunder erleben.

Wer vor oder nach einer Kreuzfahrt Zeit in Havanna verbringen kann, sollte sich einfach durch die Stadt treiben lassen. Highlights sind zweifellos die Uferpromenade – der Malecón also, ein beliebter Treffpunkt bei Einheimischen und Touristen -, der Prachtboulevard Prado und die Kathedrale San Cristóbal.

Wer sich für Geschichte interessiert, sollte dem Revolutionsmuseum einen Besuch abstatten. Tagsüber und nachts treten Musiker in zahlreichen Bars auf und sorgen für Salsa-Stimmung, etwa in der bei Touristen beliebten Bar „La bodeguita del medio“.

Und so nimmt zum Schluss jeder unserer Gruppe eine sonnige Erinnerung an Kuba mit nach Hause – ins kalte Deutschland.

*** Dieser Artikel ist am 30.05.2015 auf http://www.perfekte-kreuzfahrten.de erschienen. Die Reise kam auf Einladung von Star Clippers Kreuzfahrten zustande. Einen Einfluss auf die Berichterstattung hatte dies zu keinem Zeitpunkt. ***

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Über Oliver Heider (37 Beiträge)
Journalist. Blogger. Reisender.

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