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Mein Schiff 3: Maritimes Museum auf dem Meer

Ein maritimes Museum, eine kammermusikalische Philharmonie und ein 25-Meter-Pool auf hoher See: Damit soll die neue Mein Schiff 3, der erste Neubau der Hamburger Reederei Tui Cruises, bei Urlaubern punkten.

Mein Schiff 3 im Hafen von Hamburg. Foto: Oliver Heider

„Große Freiheit auf dem Meer erleben“: Das verspricht Tui Cruises den Gästen auf der Mein Schiff 3. Doch gleich beim sonnigen Auslaufen aus dem Hamburger Hafen fehlt eine „große Freiheit“: Haben sich die Schiffe der Reederei bisher mit der Musik der Gruppe Unheilig auf ihren Weg gemacht, lässt nun die Band Santiano die „Leinen los“. Gänsehautfeeling will da nicht mehr so recht aufkommen.

Das in der finnischen STX Werft gebaute Schiff hat seine ersten 1600 Gäste an Bord – auf eineinhalbtägiger Produkteinführungsfahrt nach Kiel. Den Neubau hat die Reederei nach ihren Vorstellungen gestaltet; die ersten beiden Schiffe waren gekauft und umgebaut worden.

Unverwechselbar soll der neue Ozeanriese durch einen „Diamanten“ sein: Durch die 167 Quadratmeter große, eckige Glasfläche am Heck auf Deck 5 beobachten einige Gäste gebannt, wie draußen die Villen am Ufer der Elbe vorbeiziehen.

Drinnen, in der „Großen Freiheit“, sind auch das Feinschmecker-Restaurant „Richards“ und das „Surf&Turf“-Steakhouse beheimatet. Beide sind, wie das japanische Hanami, Aufpreisrestaurants. Auf einem Schiff, das mit „Premium Alles Inklusive“ wirbt. Wie passt das zusammen?

Bezahl-Bereiche sind auf der Mein Schiff 3 an attraktiven Plätzen positioniert.

„Wir haben hier nicht mehr Bezahlbereiche als auf Mein Schiff 1 und 2“, erklärt Tui-Cruises-Geschäftsführer Richard Vogel. Man habe die Lokalitäten aber nicht mehr verstecken wollen, sondern an attraktiven Plätzen positioniert. Um auch „den einen oder anderen Euro zu verdienen“, wie Vogel gesteht. „Wir sind ja schließlich ein Wirtschaftsunternehmen.“

In der Café Lounge müssen die Gäste, anders als in anderen Bars, für einen Kaffee ebenfalls extra bezahlen: 1,80 Euro. Dazu gibt es Pralinen für 90 Cent und andere Schoko-Kreationen. Hinter der Theke steht Klaus Passerschröer. Der 45-Jährige aus dem Münsterland weiht die Gäste in die Geheimnisse seines Handwerks ein.

Atlantik-Restaurant ist auf der Mein Schiff 3 dreigeteilt

Ein unterhaltsamer Typ, der schon die bayerischen Regierungsbezirke als Praline dargestellt hat: Für Bayerisch-Schwaben verwendete er Apfelküchle, Krokantstücke, Vanille. „Dafür habe ich vor Ort recherchiert“, erklärt er. Bei den sparsamen Schwaben.

Wenn die nicht den kostenpflichtigen Verlockungen verfallen wollen, haben sie an Bord Freiheit in der Auswahl: Wer sein eigenes Tempo vorlegen will, geht ins Büffetrestaurant „Anckelmannsplatz“ oder ins „Gosch Sylt“, wo es Fisch gibt. Im Bistro „Tag und Nacht“ gibt es 24 Stunden Pizza, Pasta, Curry-Wurst. Wer bedient werden und aus der Menükarte auswählen will, ist im Atlantik-Restaurant richtig.

Auf der Mein Schiff 3 ist es dreigeteilt: in mediterrane, eurasische, klassische Küche. Verbindendes Element: ein 1500-Kilo-Edelstahl-Kronleuchter. Einige Getränke sind in diesen Restaurants inklusive. Ebenso wie an den meisten der zwölf Bars und Lounges,wo auch – mit einigen Ausnahmen – Cocktails und Spirituosen im Reisepreis enthalten sind.

Viele Einrichtungen sind auf modernen Kreuzfahrtschiffen Standard. So bietet auch die Mein Schiff 3 mit ihrer legeren Atmosphäre ein Fitnessstudio mit Kursen, einen Wellnessbereich mit Sauna, ein Theater mit Show- und Musikeinlagen, eine Kinderbetreuung im Kids-Club.

Erstes maritimes Museum auf hoher See

Hinzu kommen ein 25-Meter-Swimmingpool und ein Sportplatz mit LED-Wand und Tribüne. In der hart umkämpften Branche jedoch müssen Reedereien mit Alleinstellungsmerkmalen punkten.

Während US-Schiffe mit Freefall-Rutschen, Surf-Simulatoren, Hochseilgärten aufwarten, versucht Tui Cruises dies mit dem ersten maritimen Museum auf hoher See: dem „Meerleben“. Eine Dauerausstellung, die das Stuttgarter Unternehmen Jangled Nerves gestaltet hat. In einer Vitrine sind Originalexponate aus dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg ausgestellt.

„Wir wollten einen modernen Touch reinbringen.“

Es gibt Tablet-gesteuerte Hörmuscheln, das Original-Windkanal-Modell der Mein Schiff 3 sowie einen Entdeckerglobus zu sehen. Wer diesen dreht, navigiert auf einem Monitor durch dieWeltmeere, sieht Texte, Fotos, Videos.

„Wir wollten einen modernen Touch reinbringen“, erklärt Kristin Maibohm vom Tui-Cruises-Marketing. Kinder wie Erwachsene sollen Flora, Fauna, aber auch Schiffsbau und Navigation selbst „entdecken und erleben“. Doch wie schwer war es, angesichts des Spannungsfeldes zwischen Kreuzfahrt und Umwelt, für das Projekt Partner, etwa das Konsortium Deutsche Meeresforschung, zu finden?

Maibohm: „Am Anfang gab es teils Vorbehalte.“ Tui Cruises unterstütze aber einige Umweltprojekte. Und: „Was unsere Partner an uns herantragen, versuchen wir auch umzusetzen.“ Um die Weltmeere, mit deren Schönheit die Reederei ihr Geld verdient, zu schonen.

Da passt es ins Bild, dass der Neubau „auf den Passagier bezogen 30 Prozent weniger Energie verbraucht als vergleichbare Schiffe dieser Größe“, wie Vogel erklärt. Stolze 300 Quadratmeter hat die Reederei dem „Meerleben“, an dem zwei Jahre getüftelt wurde, zugestanden. Obwohl Platz auf einem Schiff kostbar ist.

„Die Mein Schiff 3 schießt den Vogel ab.“

Generell sind die öffentlichen Bereiche großzügig gestaltet. „Ich habe einfach überall Platz“, sagt Loredana Grispino. Die 36-Jährige aus Esslingen arbeitet in einem Reisebüro und war auf Aida-, Costa- und Flusskreuzfahrtschiffen unterwegs.

„Die Mein Schiff 3 schießt den Vogel ab“, meint Grispino nach ihrem Rundgang. Farben und Design seien ansprechend, die Einrichtung sei abwechslungsreich. Die in Blau, Creme, Silber gestalteten Kabinen sind ebenfalls geräumig – etwas mehr persönliche Freiheit also. Dazu trägt bei, dass 82 Prozent aller Einheiten Balkonkabinen sind.

Das Klanghaus: ein 270-Quadratmeter-Saal für bis zu 300 Besucher

Ausklingen lassen können Gäste den Abend im „Klanghaus“, der ersten kammermusikalischen Philharmonie auf See. In dieser werden Klangvarianten großer Konzerthäuser simuliert.

Elf Mikrofone nehmen die Live-Musik auf, 100 Lautsprecher geben sie – verändert – wieder. Der 270-Quadratmeter-Saal für bis zu 300 Besucher wird genutzt für Konzerte, Theaterstücke, Lesungen, Standup-Comedy, Konferenzen.

„Ein Spielzimmer, in dem wir alles ausprobieren können, was wir wollen“, sagt Thomas Schmidt-Ott, der Director Arts & Entertainment von Tui Cruises. Interessant dabei: Was wie Holz aussieht, besteht in Wahrheit aus mit Folien beschichtetem Blech. Aus Brandschutzgründen. Das Klanghaus – ein bewusstes Kontrastprogramm zur Feierwut auf anderen Schiffen.

Feierwütige will Tui Cruises nicht so viele anziehen wie Konkurrent Aida. Poolpartys werden auf Mein Schiff 3 eher gediegen über die Bühne gehen. Dennoch gibt es auch einen Ort, an dem mal die Post abgeht: die „Abtanzbar“. Es ist weit nach Mitternacht. Und zum Hit „Atemlos“ tanzen noch immer zahlreiche Gäste in der Disco. Bevor am nächsten Tag die „große Freiheit“ endet – und die Heimreise ansteht.

Weitere Informationen

Das Schiff

Mein Schiff 3 fährt unter maltesischer Flagge, gesprochen wird überwiegend Deutsch. Sie ist 293 Meter lang und 36 Meter breit. Auf 15 Decks finden bei Doppelbelegung der Kabinen mehr als 2500 Menschen Platz.

Insgesamt gibt es 1253 Kabinen: darunter 123 Innen-, 97 Außen- und 957 Balkonkabinen sowie 64 Junior-Suiten und 12 Suiten. Sechs Kabinen sind barrierefrei.

Die Reisen

Auf ihrer Jungfernfahrt ist die Mein Schiff 3 von Hamburg nach Palma de Mallorca unterwegs. Vom 22. Juni an kreuzt der neue Ozeanriese dann bis Anfang November im westlichen Mittelmeer und in der Adria.

Ohne Flug gibt es Innenkabinen ab 1100 Euro für eine Woche. Die 7-Tage-Kanaren-Touren im Winter sind ab rund 900 Euro zu haben, Balkonkabinen für 200 Euro mehr.

Die Kosten

In „Premium Alles Inklusive“ sind neben den Mahlzeiten auch an Bars Wasser, Softdrinks, Säfte, Bier, Wein enthalten. Einige Getränke – zum Beispiel Cocktails wie Mai Tai, Champagner oder edle Whiskys – kosten extra.

*** Dieser Artikel ist am 14.06.2014 in der SÜDWEST PRESSE erschienen. Die Kurzreise kam auf Einladung von Tui Cruises zustande. Einen Einfluss auf die Berichterstattung hatte dies zu keinem Zeitpunkt. ***

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Über Oliver Heider (37 Beiträge)
Journalist. Blogger. Reisender.

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