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Golf von Aden: Kein Paradies für Piraten mehr

Die EU sorgt für Sicherheit. Wegen der Mission Atalanta können Schiffe beruhigt eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt passieren.

Frachtschiff im Golf von Aden. Foto: Oliver Heider

Es ist 11.30 Uhr. Die Sonne brennt. Gnadenlos. Auf dem Pooldeck gibt es Erdbeerbowle mit Prosecco.  Aus den Lautsprecherboxen trällern Al Bano und Romina Power „Felicita“. Doch für viele Schaulustige spielt die Musik woanders. Vorne, am Bug der Aida Diva, auf Deck 14. Das Kreuzfahrtschiff fährt seit eineinhalb Stunden durch eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt: den Golf von Aden, zwischen dem Jemen und Somalia.

Für diese Region besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Von Angst oder Unbehaglichkeit ist auf dem deutschen Ozeanriesen, der 26 Stunden für die Passage brauchen wird, jedoch nichts zu spüren. Kapitän Przemyslaw Kurc hatte den Passagieren erklärt, warum Kreuzer seltener ins Visier von Piraten geraten als Frachter oder Tanker.

Zu schnell, zu hoch für potenzielle Angreifer

Zum einen fahre seine „Diva“ in der Spitze 22 Knoten (41 Kilometer pro Stunde) und habe acht Meter hoheWände von der Wasseroberfläche bis zum ersten Freideck – zu schnell, zu hoch für potenzielle Angreifer. Zum anderen sind moderne Kreuzfahrtschiffe manövrierfähiger als schwerfällige Tanker und verfügen über satellitengestützte Kommunikationsmittel. Elf Sicherheitsoffiziere sorgen zudem an Bord für ein beruhigtes Gefühl unter den mehr als 2000 Passagieren und gut 600 Besatzungsmitgliedern.

Die Neugierigen auf Deck 14 lassen den Blick schweifen. Am Horizont erkennen sie ein Dutzend Frachter.Wie an einer Schnur gezogen fahren sie in die entgegensetzte Richtung. Im Konvoi. Allen Schiffen gemein ist, dass sie im „International empfohlenen Transitkorridor“ (IRTC) unterwegs sind. Eine Sicherheitszone, den 40 internationale Marineschiffe und Hubschrauber überwachen – unter anderem im Rahmen der EU-Mission Atalanta.

Seeräuber dehnen ihr Angriffsgebiet immer mehr in Indischen Ozean aus

Alle angemeldeten Schiffe können damit rechnen, dass 15 Minuten nach einem Piratenangriff bewaffnete Hilfe eintrifft. Ob die „Diva“ Waffen an Bord hat, will Pressesprecher Markus Wohsmann nicht verraten. Auf der Transarabien-Tour ist dieses Mal aber ohnehin von Piraten keine Spur. Der Normalfall, denn im überwachten IRTC kam es seit Beginn der Mission 2008 zu keinen Attacken mehr. Vergangenes Jahr passierten 17.000 Schiffe den Transitkorridor problemlos.

Die Seeräuber dehnen ihr Angriffsgebiet immer mehr in den Indischen Ozean aus. Von den weltweit 445 Piratenattacken 2010 passierten die meisten vor Somalias Küsten. Mit einem schlichten, aber effektiven Mittel vertrieben übrigens Passagiere jene Somalier, die 2009 die „MSC Melody“ einnehmen wollten: Sie warfen mit Liegestühlen.

*** Dieser Artikel ist am 12.05.2011 in der SÜDWEST PRESSE erschienen. ***

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Über Oliver Heider (37 Beiträge)
Journalist. Blogger. Reisender.

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